
Hoffnung
Unser Arche Projekt der Stiftung „Wir für Kinder in Not“ funktioniert nur als „Wir“
Ich genieße das „Wir“ und bin sehr dankbar dafür.
Es gibt aber auch einen ganz persönlichen Teil. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem es gilt „Danke zu sagen“ und ich bin froh dies auf diese Weise tun zu dürfen.
Vielleicht hast Du Lust meiner Reise zu folgen…
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Ende Januar 2025
Gerade hat mir mein Sohn Paul zugesagt, mich morgens früh zum Flughafen zu fahren. In wenigen Tagen geht es los nach Uganda zu Noahs Arche. Noahs Arche schenkt seit über 25 Jahren Kindern Sicherheit, Hoffnung, eine Zukunft.
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Seit dem Entschluss dorthin zu reisen und mir alles vor Ort anzuschauen, gehöre ich schon ein wenig dazu. Wie Piet sagen würde, ich bin ein Puzzleteil des großen Ganzen.
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Auch wenn ich Berichte gesehen, den Internetauftritt studiert und die Gründer dieser Initiative Piet und Pieta persönlich hier in Deutschland kennengelernt habe, bin ich doch sehr gespannt, was mich mitten in Uganda in Noahs Arche erwartet. Ob das richtig formuliert ist? Ich bin sehr gespannt, was Noahs Arche mit mir macht, ist wohl treffender…
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Warum ich da unbedingt hin muss? So ganz genau weiß ich es nicht, vielleicht kommt die Nachricht, die ich die Tage zu dem Thema versandt habe, der Begründung – wenn es denn überhaupt einer bedarf – recht nahe:

Ich habe nur dieses eine Leben und ich möchte mich nicht irgendwann, wenn es vielleicht zu spät ist, fragen, ob ich nicht ein anderes Leben hätte leben können, wollen oder sollen. Lebendiger wird’s nicht. Ich bin Regisseur und nicht Schauspieler meines Lebens oder wie eine ganz liebe Freundin bei gemeinsamen Projekten gerne sagt: Einfach mal machen, könnte ja funktionieren. 😊
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3. Februar 2025
Ich sitze jetzt schon seit vielen Stunden im Flugzeug auf dem Weg nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas.
In den letzten Wochen habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie die unterschiedlichsten Bereiche dieses Projektes sich in meinem Kopf geformt haben: Zum Beispiel auf welchen Wegen ich gerne für Spenden werben möchte, über welche Informationswege ich Menschen mitnehmen möchte, welchen Part unsere Stiftungskinder übernehmen können oder aber auch ganz konkret, was bringe ich den Kindern mit, die ich in den kommenden Tagen treffen werde.
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Jetzt bin ich auf dem Weg. Ich reise nur mit Handgepäck, da die zwei auf meinem Namen gebuchten 23 kg Koffer mit Hilfsgütern gefüllt sind. Trotzdem haben Stifte, kleine Blöcke, Kreide und Murmeln Platz in meinem Gepäck gefunden. Ich freue mich auf die Begegnung mit den Arche Kindern.
Ich reise mit Klaus und Karin von GAIN. Die Organisation GAIN unterstützt Noahs Arche von Beginn an und stemmt als deutscher Partner den größten Teil der Kosten.
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Das Herz, vielleicht besser noch die Seele, der Arche sind aber Pieta und Piet, die in den 90er Jahren die ersten Waisen in ihr Haus in Kampala aufnahmen und bis heute mit all ihrer Kraft, ihrem Glauben und einem unglaublichen Mix aus Visionen und bodenständigem Organisationstalent vor Ort aktiv sind und Leben.
Darf ich Euch mitnehmen? Ich sitze zwar jetzt im Flugzeug, meine Reise hat aber viel früher begonnen:
Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass ich noch auf der Welt und am Leben bin. Für mich ist es auch nicht selbstverständlich, dass meine Kinder und ich das Leben leben, das wir führen dürfen. Jaaaa, da war schon einiges an Mist und Herausforderungen dabei, aber ich habe mich immer geleitet und behütet gefühlt. Vielleicht kommt daher der Wunsch das Leben mit dem Bau einer Schule zu feiern.
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Der Wunsch ist nicht neu, aber er ist wohl der Beginn meiner Reise. Ich freue mich unheimlich, dass ich im letzten Herbst die Energie und ja, auch den Mumm hatte, um mir diesen Wunsch zu erfüllen. Seitdem fügt sich alles.
Pieta und Piet habe ich im Herbst genauso persönlich kennengelernt wie Klaus, den Geschäftsführer von GAIN und schon in unserem allerersten Gespräch im November fragte Piet: „Wann kommst Du?“
Ihr kennt mich… Noch bevor wir uns an diesem Nachmittag trennten, war die Reise für Anfang Februar beschlossen.
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7. Februar 2025
Es ist mein vorletzter Tag hier in Uganda. Vorerst….
Ich stecke voller Eindrücke. Erst dachte ich, ich könnte Euch zumindest ein wenig „just in time“ auf die Reise mitnehmen. Jetzt gerade ist aber der erste Moment, an dem ich beim Frühstück allein auf unserer Terrasse sitze, weil ich mit einem dicken Schnupfen – woher auch immer der gekommen ist- langsamer in den Tag starte.
Ich werde Euch daher nach und nach an meinen Gedanken und Eindrücken teilhaben lassen müssen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht.
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Die Arche Noah ist ein wirklich großes, stabiles und sehr erfahrenes Schiff – na gut, natürlich Projekt.
Hier haben in den letzten 25 Jahren hunderte von Kindern ein Zuhause gefunden. Gestern hat mir Pieta erzählt, dass über 500 Babys in ihren Armen lagen und aufgepeppelt wurden. Die ersten Babys sind lange erwachsen und Owen, Hanna oder Veronika sind im gleichen Alter wie meine Kinder Paul, Kaya und Jakob. Die Kinder der ersten Stunde arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen: In der Öffentlichkeitsarbeit, als Sozialarbeiterin oder in der im Aufbau befindlichen Kaffeeplantage und Rösterei.
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Piet pendelt viel zwischen Mukono, wo die Arche liegt und Kalagala, wohin sich Piet und Pieta nach all den Jahren mit hunderten von Kindern eigentlich etwas zurückgezogen haben. Aber auch dort leben über 20 Kinder mit ihnen und ein Projekt nach dem anderen erwacht zum Leben. Neben dem 2. Schulstandort mitten im ärmsten Landleben entsteht hier das Kaffeebusiness, Appartements für Kaffeetouristen und Vanille und Obstplantagen. Warum das alles? Die Arche Kinder werden groß und auch mit 13 Jahren Schulbildung gibt es kaum Arbeitsplätze. Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder…
Egal wie alt die Kinder sind, es bleiben die Kinder – bei Pieta und Piet ist das nicht anders.
18. März
In den nächsten Tagen geht die Homepage online und ich kämpfe mich an Instagram heran. Meine Zeit in der Arche ist nun schon wieder einige Wochen her und auch wenn kaum ein Tag vergangen ist, an dem ich mich nicht mit der Arche Noah befasst habe, gibt es bis jetzt noch kaum greifbare Fortschritte. Aber ist das wirklich so?
Unsere Stiftungsvorsitzende Frau Heinrigs, die seit über 35 Jahren unsere Stiftungsprojekte betreut und für all den neuen Wind, den ich vor ein paar Jahren mit mir brachte, immer offen war, hat auch dieses Mal - nach genauer Prüfung – offen auf meine Ideen reagiert und die Arche sticht nun als neuestes Stiftungsprojekt hier am Theresianum in See.
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Wichtige Gespräche mit potenziellen Projektpartnern haben stattgefunden und diese prüfen die Unterstützung unserer Projektidee. Hier gilt es Daumen drücken!
Die nächste Uganda Reise ist terminiert und die Schulbefreiung für meine beiden jüngsten Kinder Liv und Ava ist genauso genehmigt wie die von Leni, die mir von meiner wichtigsten Wegbegleiterin im Ehrenamt anvertraute Tochter. Auch diese Unterstützung bedeutet mir viel: Ich wünsche Ihnen und den Mädchen schon jetzt gute Erfahrungen und Begegnungen und Gottes Segen für ihre Tätigkeit dort. Für mich sind diese Wünsche unseres Schulleiters keine Floskeln.
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Wir konnten mit Andreas Hopson für unsere geplante Mosaikaktion nicht nur einen sehr kompetenten Partner, sondern auch einen Menschen gewinnen, der sich ohne wenn und aber aus dem Nichts für unsere Idee begeistern konnte und uns ganz wunderbar unterstützt.
Wir erfahren viel Interesse und Unterstützung aus der Schulgemeinschaft und erste Projekte sind in der Planung. Unsere jüngsten Stiftungskinder schmieden schon Pläne, wie sie möglichst bald selbst nach Uganda reisen können, auch wenn wir zu erklären versuchen, dass dies wohl eher für Kinder ab der 9. oder 10. Klasse sinnvoll umsetzbar sein wird.
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Meine Gedanken fliegen gleichermaßen zu meinem ersten Aufenthalt im Februar wie zu meiner nächsten Reise im Juni.
Überall mit dabei meine ganz liebe Freundin und Mitstreiterin Jule. Ich hätte dieses Projekt nicht nicht angehen können. Ob ich ihm aber ohne Jule gewachsen wäre, wage ich nicht nur zu bezweifeln – ich bin mir sogar sehr sicher. Es mag sein, dass ich sichtbarer auftrete, aber ich kenne keinen Menschen mit solch einem großen Herzen wie dem von Jule. Sie schafft, sie verzeiht alle Unperfektheiten und Ruckeleien und sie lässt sich von meinen Spinnereien genauso anstecken, wie sie mich am letzten Zipfel zurückzieht, wenn ich Gefahr laufe ganz abzuheben und zu verschwinden. Sie schenkt mir ihre wunderbare Freundschaft und macht unser Ehrenamt zu dem, was es ist: Eine wahnsinnige Bereicherung.
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30. März 2025
Ja, es ist schon der 30. März, allerdings noch mitten in der Nacht und ich habe den Weg noch nicht ins Bett geschafft. Das Arche Projekt schluckt gerade unheimlich viel Zeit, die mir für meinen normalen Alltag
fehlt. Es ist ganz deutlich, dass ich nur für eine begrenzte Zeit viele Dinge meines Lebens vernachlässigen kann, aber gerade gehört es eben dazu.
Unsere Schritte werden langsam sichtbarer. Wir bekommen die ersten Reaktionen auf unsere Instagram Posts und den parallel genutzten WhatsApp Status und die Mitmach-Aktionen laufen an. Aber werden Sie so angenommen, wie wir uns das wünschen? Wir haben liebe, tolle Menschen gefunden, die mit unseren Stiftungskindern ein Koch-Event stemmen und es wird ein Muttertagsbacken genauso geben wie einen Salsa Workshop. Ich bin sehr gespannt, was Ihr Euch noch einfallen lasst. Unsere Mosaik-Aktion ist zwar noch nicht am Start, aber das kann auch nicht mehr lange dauern. Wie die wohl ankommen wird?
Bei all den vielen Fragezeichen hilft es uns, dass wir diese Woche die Zusage des Seelsorgeteams des Theresianum Mainz, die diesjährige Sponsoren Wallfahrt für unser Projekt durchzuführen, bekommen haben.
Juhu!! Solche Nachrichten tun einfach unheimlich gut.
Natürlich führe ich auch viele persönliche Gespräche mit Freunden und Wegbegleitern, die mir unheimlich gut tun. Ein bisschen verrückt finden es die meisten schon. Aber jeder, der mich privat oder aus vorangegangenen Projekten kennt, weiß, wie lebendig mich ein solches Vorhaben macht. Wegschauen gilt nicht, ganz einfach.
Neben dieser Facette des Projektes tausche ich mich auch immer wieder mit Piet aus. Auch wenn die Finanzierung noch nicht steht, sind dennoch die Pläne fertig gestellt und die ersten Vorbereitungsarbeiten laufen an. Vorgestern hat Piet mir ein kurzes Video geschickt, wie der Laster vor Ort im Schlamm feststeckte und die Räder einfach nur noch durchdrehten. Ja, es ist Regenzeit in Uganda und eine Herausforderung jagt die nächste...
Ich muss mich immer wieder einfangen, um hier die ganz alltäglichen Arbeiten wie das Gehälter überweisen unserer Mitarbeiter, die Pausenbrote der Kinder oder das Einkaufen nicht zu vergessen. Ach ja, da
war ja noch was... Termine fürs Impfen und die neuen Reisepässe, Flüge planen und auf den letzten Drücker noch ein wenig Englisch in den Griff bekommen. Die Reisevorbereitungen haben begonnen. Es sind nur noch gut 2
Monate, bis wir nach Uganda fliegen.
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19. April 2025
Es ist Ostern. In den letzten Jahren hatte die Fastenzeit bei mir einen sehr speziellen Raum und dieses Jahr dachte ich, es geht total unter und ist mir (für dieses Jahr) verloren gegangen.
Vor lauter Uganda Projekt ist mir irgendwann ganz verloren gegangen, dass ich mir das darauf konzentrieren und mich damit beschäftigen geschenkt habe. Das ich es machen darf und nicht muss.
In den letzten Wochen haben wir viel aufgebaut. Die Homepage, das Mosaikprojekt, die Mitmachtermine. Aber gefühlt sind wir nirgends wirklich vorgedrungen und viele Türen, an die wir geklopft haben, bleiben verschlossen.
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Dabei sind so viele Dinge still und leise, die sich bewegen – oder eben auch nicht. Es ist nicht nur die Zeit des Strampelns und Mühens. Es ist auch die Zeit des Stillsehens, des Aushaltens, das die Dinge nicht oder zumindest nicht in der von mir erwarteten Geschwindigkeit funktionieren. Passt das Einlassen auf die „African time“ nicht aber zum Projekt? Aus dem Nichts kommt ein ganz wunderbarer Kontakt. Nichts läuft wie geplant, aber am Ende funktioniert es doch?
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Zurück zum Fasten: Kurz nach meiner Rückkehr aus Uganda begann die Fastenzeit mit einer Julia, die alles gleichzeitig nicht anfangen, sondern direkt fertig haben wollte. Mit enormen Kraftanstrengungen. Der im Ehrenamt sehr erfahrene Uli hat sich das angeschaut und meinte nur: Das ist ein enormer Kraftaufwand, aber Du springst zu kurz – Du brauchst für so ein Ding einen langen Atem. Es wird eine ganze Weile dauern, bis Du siehst, was Du bewegst. Na klar, kein Problem. Das ist eine meiner ganz großen Stärken… Aber das ist es eben in der Fastenzeit. Es aushalten, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie gedacht. Das neu Ansetzen, das Umdenken und das daran wachsen. Ich wachse gerade. Ich schaue genau hin. Braucht es mehr Krafteinsatz oder braucht es das Vertrauen auf ein stetiges Wachsen und Wandeln? Ein Mosaik entsteht nicht an einem Tag und auch nicht in wenigen Wochen.
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Mit mir haben diese letzten Wochen viel gemacht. Ich habe wieder viel mehr Kraft und Zuversicht als vor einem Jahr. Ich bin sehr dankbar, dass ich es mir in vielerlei Hinsicht leisten kann, mit den Kindern zur Arche und nach Uganda zu reisen. Ich bin dankbar, dass ich ein Teil der Arche geworden bin und sehe, wie die ersten Bauarbeiten auf dem Vorplatz der bestehenden Primery school beginnen. Ich bin aber auch dankbar, dass mir meine Grenzen aufgezeigt werden und ich darüber nachdenke, was ich nach dieser Reise in meinem Leben anders machen möchte.
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Ich wollte meinem runden Geburtstag nie so viel Gewicht geben und nun ist es ganz anders gekommen. Er ist Ziel und Beginn zugleich. Einen großen Traum erfülle ich mir.
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Einem anderen Traum jage ich aber schon viel länger hinterher – und zwar dem „nicht mehr jagen“. Vielleicht ist die Reise und der Wandel meiner Wahrnehmung mit dem sich immer wieder auf die „African time“ einlassen müssen (dürfen?) der erste Zipfel, den ich von diesem Traum zu greifen bekomme?
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11. Juni 2025
Ich bin zurück – zurück in der Arche und bevor ich hier mit dem Schreiben anfange, habe ich gerade selbst noch einmal nachgelesen, was ich in meinem letzten Blockeintrag geschrieben habe.
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Puh, der ist tatsächlich knapp 2 Monate her… Warum ich so lange nicht geschrieben habe? Gute Frage… Wahrscheinlich, weil ich viel gehadert habe und wenn ich damit gerade mal nicht beschäftigt war, war einfach unheimlich viel bis zu unserer Abreise zu organisieren.
Die Kurzfassung? Ich war einfach sehr unsicher, wie sich die Organisation hier vor Ort für uns gestalten wird, denn von Deutschland aus war das schwer mit Piet zu besprechen und zu planen. Und jeder, der mich kennt weiß – ha…. ganz großes Tennis für mich, wenn ich nichts fixieren, planen und vorallem nicht selbst die Fäden in der Hand behalten kann, ist das schwieriges Terrain für mich.
Letztendlich habe ich aber auf alle wichtigen Dinge Zuhause noch den Deckel drauf bekommen und Jule und ich haben in den letzten Wochen noch viele tolle Aktionen umgesetzt oder angestoßen. Die Mosaikaktion zum Beispiel läuft gar nicht so, wie wir uns das ursprünglich gedacht haben, aber sie läuft und Jule steckt da unheimlich viel Liebe und Energie rein. Die Lernkurve für uns ist hoch, aber wir erleben das alles zusammen und das ist einfach wunderbar.
Ja und jetzt bin ich mit den Mädels seit einigen Tagen hier vor Ort und wir werden von den Menschen hier getragen. Wir wurden vom Flughafen abgeholt, haben ein frisch renoviertes Gästehaus bekommen und für das erste Frühstück war der Kühlschrank auch schon gefüllt.
Gleich am nächsten Tag haben wir uns mit Piet und seinen Mitarbeitern Gladys und Daniel zusammengesetzt und haben ein grobes Gerüst für unsere Zeit hier abgesteckt. Die ersten Tage werden die Kinder mit in die Schule gehen, um das Leben hier kennenzulernen und den Kontakt zu Gleichaltrigen zu finden. In der kommenden Zeit haben wir aber auch die Gelegenheit in allen anderen Bereichen mitzuarbeiten, wie in der Wäscherei, der Küche, aber auch bei den Kindern im Kinderheim oder Kindergarten.
Den Bau der Schule in den nächsten Wochen hier zu begleiten, ist natürlich auch spannend, denn auf einer Seite des Neubaus steht nicht nur schon das Fundament, sondern auch die Mauern sind bereits hochgezogen und der Platz ist seit Februar nicht wieder zu erkennen.
Gestern hatten die Mädchen ihren ersten Schultag und wurden herzlich empfangen. Klar ist es für uns anstrengend, sich jeden Tag auf fremde Menschen mit einer fremden Sprache und anderer Kultur einzulassen. Ich bin echt unheimlich stolz auf Leni, Ava und Liv, aber die Menschen hier machen es uns auf der anderen Seite auch wieder leicht. Sie kommen auf uns zu, sind alle freundlich und es interessiert sie überhaupt nicht, ob wir die passenden Vokabeln wissen oder der Satzbau im Englischen stimmt.
Trotzdem war es für die drei Mädels eine ganz schöne Mutprobe gestern alleine loszuziehen und ich war mindestens genauso aufgeregt wie an ihrem ersten Schultag in der Grundschule. Aber alle drei kamen fröhlich und erleichtert zurück. Sie hatten nicht nur alles im Unterricht verstanden und konnten mitmachen, sondern sie wurden einmal mehr offen und sehr freundlich aufgenommen. Der heutige zweite Tag fühlte sich da fast schon wie ein Heimspiel an und gleich sind wir zum Kartenspielen in der familiy unit der gleichaltrigen Mädels verabredet.
Hier in der Arche sind oft Delegationsgruppen vor Ort, so dass wir keine wirklichen Exoten sind. Viele wissen auch, dass wir zwar über GAiN, die deutsche Partnerorganisation, hier sind, aber uns eben auch sehr aktiv durch unsere Spendenaktionen am Bau des Schulneubaus einbringen. Das eine sind die Spenden, die hier dringend benötigt werden, das andere ist aber auch unser Engagement, dass man uns hier hoch anrechnet und das ist einfach ein wunderbares Miteinander.
Wir sind von Euch in Deutschland oft gefragt worden, was wir hier eigentlich machen und wie wir vor Ort helfen. Sicherlich können wir hier im Kinderheim helfen oder in der Küche, aber an sich sind dafür genug Hände hier.
Wir sind hier, um das Projekt zu erleben, die Menschen kennen und lieben zu lernen und ihnen zu zeigen, dass uns nicht egal ist, wie und ob sie leben. Wir sind aber auch hier, um Euch mit voller Überzeugung berichten zu können, dass hier wunderbare Arbeit geleistet wird.
Da zieht ein niederländisches Ehepaar nach Uganda und schenkt in den folgenden Jahren hunderten Kindern eine Kindheit und ein Zuhause. Wie verrückt ist das denn? Wenn wir uns hier zwischen all den kleinen und großen Kindern bewegen und mit ihnen in ihrem Alltag unterwegs sind, bleibt mir bei diesem Gedanken manchmal die Luft weg. Es ist ein großes Geschenk für uns Teil davon zu sein. Es gibt uns die Kraft und den Willen Euch davon zu berichten, um Spenden zu bitten und Aktionen auf die Beine zu stellen. Wir wollen uns nicht fragen, was wir tun könnten. Wir tun es und das könnt Ihr auch.
Wir freuen uns riesig über jeden, der Teil unserer Geschichte werden möchte. Klar freuen wir uns über große Spenden, aber es sind und bleiben die vielen kleinen Puzzleteile, die das Bild ergeben.
Es wäre aber gelogen, wenn wir hier nur breit grinsend durch die Gegend laufen. Gerade in den ersten Tagen herrschte ein sehr ambivalentes Gefühl. Wir wünschten uns gleichzeitig in unsere Komfortzone in unser Leben in Deutschland und auf der anderen Seite wollten und wollen wir die Erlebnisse hier auf keinen Fall verpassen oder missen. Inzwischen entstehen die Alltagsroutinen und das gibt etwas Halt. Die Mädchen haben Anschluss und erste Freundschaften geschlossen. Mir tut es unheimlich gut, das Miteinander der Kinder zu erleben. Aber ganz ehrlich, mir fehlt meine Jule. Gerade heute steht sie mit unserer Dankesaktion im Theresianum mit unseren Neigungsgruppenkindern und auch über so viele tausend Kilometer sind wir jeder auf seine Weise gemeinsam am Arbeiten für die Arche. Aber das Erleben und Fühlen die Situationen zu teilen, fehlt. Aber gut, so ist das. Fast wäre es schlimmer, es würde mir nicht fehlen, diese Erfahrungen hier mit ihr teilen zu können. Sie hat mir ihre Tochter Leni mitgegeben, das heißt, ihr Herz und ihr Vertrauen in die Arche und mich habe ich bei mir.
Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen wir in den kommenden Wochen wir hier noch machen werden und auch, wie es uns dabei ergehen wird. Auch bin ich gespannt, wer mich bei diesen ausführlichen Gedanken hier begleitet. Meldet Euch doch mal über Insta, Whatsapp oder Mail. Mich würde es freuen.
17. Juni 2025
Jetzt sind wir seit gut einer Woche hier und auch wenn uns die Zeit insgesamt schon ganz schön lang vorkommt, sind die vergangenen Tage doch verflogen.
Die Kinder haben sich die letzten Tage sehr wohl in der Schule gefühlt und haben gut Anschluss gefunden. Gestern hat das erste Mal keins der Mädchen gefragt, ob ich nachmittags nach dem Unterricht mit zu den Aktivitäten mit den Gleichaltrigen komme. Ava ist gerade alles etwas viel und sie hat sich stundenlang mit ihrem besten Freund, dem Lesen und ihrem Buch, beschäftigt. Liv und Leni sind um 17 Uhr losgezogen und sind erst um kurz vor 20 Uhr in unserem Zuhause hier aufgeschlagen.
Warum das berichtenswert ist? Mir wird das Herz ganz warm, wenn ich sehe, wie wohl sich die Kinder hier fühlen. Es ist toll, wie uns hier begegnet wird und sie nicht nur neugierig beäugt werden, sondern uns große Offenheit und Freundlichkeit begegnet. Und da geht es nicht um schneller, höher, weiter. Die Nachmittage haben wir bisher mit Basketball spielen, Armbänder basteln und Kartenspielen verbracht. Nix aufregendes, aber für alle Beteiligten eine perfekte Zeit.
Wir werden oft von Euch aus Deutschland gefragt, warum wir hier sind. Ja, wir möchten Euch davon berichten, dass es sich lohnt, die Arche zu unterstützen und schauen, was mit Euren und unseren Geldern hier auf die Beine gestellt wird. Aber der persönliche Aspekt sind ganz sicher diese Art von Kontakten. Nicht ein draufschauen und nicken, sondern ein gemeinsamen ERLEBEN mit den Menschen hier.
Die Kinder sind genauso keck wie unsere, gelangweilt bei zu langen Ansprachen und neugierig und ein wenig scheu wie wir selbst. Auf der anderen Seite stellen sie nicht so viel, vorallem nicht sich selbst im Teeniealter, in Frage, gehen sehr respektvoll miteinander, mit Neulingen und Erwachsenen um und sehen viel mehr, was sie haben, als was sie nicht haben.
Soweit zu den Erlebnissen meiner drei Kinder hier, denn ich bin schon sehr schnell davon abgekommen allen interessierten Kindern zu erklären, dass ich mir Leni nur geliehen habe. Nee, ich bin hier mit meinen Töchtern. 😊
Ja und was mache ich? Das frage ich mich auch. Manchmal komme ich mir ein wenig in die Corona Zeiten zurück versetzt vor. Gefühlt stehe ich direkt nach der einen Mahlzeit für die nächste schon wieder in der Küche, versuche nebenbei noch ein wenig meine Büroarbeit am Laptop zu erledigen und jeden Tag gibt es irgendetwas Neues zu organisieren. Mal ist es der Supermarktbesuch nach Mukono, mal das wieder einmal nicht funktionierende Internet, dann PR Geschichten mit der Primery school oder das Organisieren der noch fehlenden Mosaikmaterialien.
Gestern habe ich mich lange mit der niederländischen Ärztin des in der Arche befindlichen kleinen Krankenhauses unterhalten. Tama ist eine Tolle, die seit ihrem 18. Lebensjahr immer wieder für längere Zeit in Uganda und bei der Arche war, bis sie sich vor 11 Jahren entschieden hat zu bleiben. Heute ist sie mit unserem Partner Daniel, der uns in jeder Lebenslage hier weiterhilft, verheiratet und sie haben drei gemeinsame Kinder. Sie hat mir die Unterhaltung denkbar einfach gemacht und ist eine so positive und nette Frau, trotzdem war ich danach nicht nur stolz, was ich alles in meinem „terrible“ Englisch erzählt habe, sondern auch echt platt. Und so ist es mit jeder Unterhaltung hier. Egal ob ich Piet und Bosko, dem Schulleiter des zweiten Standortes, zufällig vor unserem kleinen Supermarkt begegne und mich für eine Stunde verschwätze oder mit Isaak bespreche, wie das Brett für den Untergrund des Mosaiks aussehen muss. Alles sind tolle Begegnungen, aber alles ist auch echt anstrengend für mich.
Als Deutsche hadere ich natürlich damit, dass alles so viel einfacher wäre, wenn ich Englisch gut könnte, bin aber gleichzeitig auch glücklich und ein wenig stolz, dass ich genau hier bin und mich weder von der ganzen Reise noch von den Gesprächen abhalten lasse.
Als Afrikaner? Da würde mich das alles überhaupt nicht beschäftigen? Wie, schlechtes Englisch? Funktioniert doch. Auch spannend, oder?
Für „African time“ fehlt mir auf jeden Fall die Zeit. Wie Zuhause bleiben jeden Tag Dinge liegen und ich schaffe nur mal ein paar Seiten in meinem Buch – immerhin mehr als Zuhause.
Für besondere Momente bleibt trotzdem Zeit:
Meine Mutter ist vor 33 Jahren gestorben und auch wenn ich mir immer noch sehr nah fühle, verblassen andere Dinge sehr. Als ich am Sonntag im Gottesdienst saß, lauter singende und schwingende dunkelhäutige Menschen um uns, habe ich das erste Mal seit vielen, vielen Jahren wieder daran gedacht, dass meine Mutter von Afrika unheimlich fasziniert war. In unserer Küche an einem der Schränke hing immer ein Bild einer afrikanischen Mama, die ihr Kind im Tragetuch auf dem Rücken trägt. Vielleicht habe ich vor 20 Jahren das letzte Mal daran gedacht, auf jeden Fall hat der Gedanke an diese Faszination oder Leidenschaft keinerlei Einfluss auf meine Entscheidung gehabt, hier nach Uganda zu kommen und mich für die Arche einzusetzen. In diesem Gottesdienst aber hat sich irgendwie ein Kreis geschlossen. Ein wenig scheine ich auch für meine Mutter hier zu sein. Ein wenig für sie, ein wenig für meine Kinder, vielleicht auch ein wenig für Euch, die Ihr das hier lest und Euch um das Projekt, mich und vielleicht auch Euch Gedanken macht und ja, ganz viel wohl auch für mich selbst mit all diesen Verknüpfungen.
30. Juni 2025
Oh je… die Zeit rennt wirklich. Mein letzter Eintrag hat es zwar erst vor kurzem auf die Homepage geschafft, geschrieben habe ich ihn aber schon vor knapp zwei Wochen. Wenn Ihr von unseren Tageserlebnissen mehr erfahren möchtet, lest gerne bei Liv’s Blog rein.
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Ich möchte mich hier mehr darauf konzentrieren, wie es uns ergangen ist und was mich beschäftigt.
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Der Großteil unseres Aufenthaltes liegt inzwischen hinter uns und wenn ich auf alle Unsicherheiten schaue, die wir mit nach Uganda gebracht haben, egal ob die emotionalen, die organisatorischen oder inhaltlichen Facetten, alles hat sich unheimlich gut gefügt.
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Jeder von uns Vieren hier hatte seine ganz eigenen Herausforderungen und von uns allen bin ich echt begeistert! Hört sich überheblich an? Nee, so ist es nicht gemeint. Aber wir haben uns nicht weggeduckt und immer wieder beim Schopf gepackt. Egal ob es um das Entfernen von viel zu großen Insekten ging, das im Haushalt mit anpacken, das auf fremde Menschen zuzugehen oder eben auch das Aushalten, hier ein Exot zu sein. Für Ava waren und sind es einfach oft zu viele Menschen. Leni hat die Zeit ohne ihre eigene Familie super gemeistert, Liv schaut sich die Welt hier ganz genau an, um herauszufinden, ob sie sich vorstellen kann, hier für mehrere Monate zurückzukehren und ich meistere es, hier in keinerlei Hinsicht mit Netz oder doppeltem Boden zu arbeiten. Und weil ich das alles so gar nicht selbstverständlich finde, darf ich auch von uns begeistert sein, finde ich. 😊
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Eigentlich wollte ich hier von verschiedenen besonderen Momenten berichten. Tatsächlich geht mir aber ein Gespräch der letzten Tage mit einem lieben Menschen aus Deutschland noch nach und ich möchte Euch daran teilhaben lassen. Ich habe darin erwähnt, dass ich mich freuen würde, wenn Menschen, die an meiner Reise über meine Posts teilnehmen, auch Spenden würden. Tatsächlich tut sich an der Front seit meiner Abreise aber gar nichts. Ist das komisch? Ist das normal? Ich weiß es nicht.
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Ich habe mich entschieden, die Arche zu unterstützen, diesen sehr eigenen Weg hier zu gehen und es muss nicht der Weg von anderen sein. Auch gibt es viele Menschen in meinem Umfeld, die sich finanziell oder persönlich anderweitig einsetzen. Alles ok. Nur habe ich auch das Argument gehört, warum man denn spenden sollte, wenn meine Berichterstattung doch zeigt, wie gut es den Kindern hier geht. Soll ich elend abgehungerte Kinder zeigen, die für Ihren Lebensunterhalt hart arbeiten müssen oder stehlen, die nicht zur Schule gehen oder früh und ganz unnötig sterben?
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Es gibt viele dieser Kinder hier in Uganda. Es gibt sie aber nicht hier in der Arche. Braucht das Projekt daher nicht unsere Unterstützung? Was kannst Du mit einer kleinen Spende von 50 oder 100 Euro bei einem so riesigen Unterfangen denn schon bewirken? Entscheide das selbst. Ich werde nie die ganze Welt retten können oder die Arche durchfinanzieren. Ich kann aber mit anpacken und ein Teil davon sein. Ich kann Hoffnung schenken, indem sich die Menschen hier vor Ort an so große Projekte wie die Schulerweiterung der Primery school trauen. Das kostet jeden Lehrer, jede Ziehmutter, die Bauarbeiter oder aber auch die Kinder, die vor der Schule um 5 Uhr morgens aufstehen, um Hausarbeit und ihre Wäsche zu erledigen, verdammt viel Kraft. Ja, sie haben hier ein Zuhause, keinen Hunger und die Chance auf eine Zukunft. Ich möchte aber nie vergessen, dass das hier kein Selbstläufer ist. Das Projekt und Pieta und Piet brauchen Menschen wie uns, die nicht nur an sie glauben, sondern sich auch für sie einsetzen.
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Ich habe über zwei große Einzelspenden ziemlich viel Geld hierher mitgebracht, aber das was uns für die Menschen hier so besonders macht ist, dass wir mit in die Schule gehen, mit den Kindern basteln und Piet einer vollbesetzten Kirche erzählt, wie aktiv wir uns mit unseren Aktionen und Posts für alle Arche Kinder einsetzen.
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Ich kann und möchte Euch hier einfach noch einmal einladen, werdet ein Teil davon. Es muss nicht gleich der Jahresurlaub sein, aber vielleicht ein paar weniger Schuhe oder Essen gehen?
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Diese Woche ist die kleine Lillien in der Arche gestrandet. Die Mutter ist gestorben, der Vater unbekannt. Keiner wusste wohin mit ihr. Aber es gibt die Arche. Wir sind ganz verzückt von ihr. Sie wird gerade liebevoll aufgepeppelt, aber unser Überschwang wird hier schon etwas beäugt. Es ist ganz normal, dass Neugeborene aufgenommen werden, Teil der großen Familie werden, gefüttert, gewickelt und geliebt. Jedes Kind, dem wir hier begegnen, egal ob 5, 11 oder 17 Jahre ist auf diesem Wege hier ins Dorf gekommen. Wenn ihr die Bilder von Elend braucht, um das Gefühl zu haben, helfen zu wollen. Dann stellt Euch vor, was mit Lillien geschehen wäre, wenn sie hier kein Zuhause gefunden hätte. Sie hatte das Glück hier „abgegeben“ zu werden. Aber genauso werden Babys mit den gleichen niedlichen Augen, kleinen Fingern und zarten Schreien im Müll gefunden, im Busch zurückgelassen oder an der Straße abgelegt. Nicht aus Brutalität oder Gleichgültigkeit, sondern aus Not. Ich werde Euch dazu keine Bilder liefern, aber vielleicht werde ich Euch nach und nach verschiedene Geschichten unserer Kinder hier erzählen. Wenn ihr Bilder braucht, dann stellt Euch vor, Ihr selbst oder Eure Kinder wären in eine solche Not geboren.
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Ich kann nicht hier durchs Land laufen und schauen, wo die Not am größten ist. Ich kann aber versuchen ein gut funktionierendes Projekt zu unterstützen und am Leben zu erhalten. Ich habe keine Ahnung, wo Piet seine Energie hernimmt, um all die Verantwortung und Arbeit zu bewältigen. Ich bin mir aber sicher, dass es ihm gut tut zu sehen, dass er das alles nicht ganz alleine tragen muss. Vor einem ¾ Jahr habe ich das erste Mal von der Arche erfahren, heute bin ich hier und habe Euch im Gepäck. Vielleicht kommt ihr beim nächsten Mal sogar mit und schaut Euch die fertige Schule mit uns an?
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Bitte lasst Euch nicht in den Sessel sinken und denkt, das läuft schon. Das klappt im eigenen Leben genauso wenig wie hier.
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Jetzt habe ich kaum von den vielen wunderbaren Momenten erzählt, die wir hier erleben, denn es ist wie immer: Wir bekommen viel mehr – und das auf so vielen verschiedenen Ebenen – zurück, als wir schenken. Aber schaut dafür einfach durch die Instagram Posts unter www.instagram.com/hoffnungschenken Da bekommt ihr zumindest einen guten Überblick über unsere Zeit hier.
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Für heute schließe ich damit, dass ich mich in meinem Leben gerade am absolut richtigen Platz fühle. Ich freue mich unheimlich auf Zuhause und Normalität. Ich freue mich darauf neue Dinge anzugehen und andere loszulassen. Aber gerade für den Moment ist der richtige Platz genau hier mitten in Afrika in der Arche Noah.
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Meine Freundin Tina antwortete letztes Jahr im Dezember bei einem mehrtägigen Ausflug nach Berlin mit Freundinnen auf meine Frage, für was ich hier zuständig sei: „Für die Dankbarkeit.“ Ja, vielleicht macht mich das aus. Auch wenn das manchmal etwas befremdlich oder schräg rüberkommt: Ich möchte mir das bewahren! Es ist nicht selbstverständlich hier zu sein. Es ist nicht selbstverständlich helfen zu können. Es ist nicht selbstverständlich sicher leben zu dürfen. Denken, diskutieren, sich laut und deutlich für das einsetzen zu können, was einem wichtig ist. Verdammte Axt, da lohnt es sich doch dankbar zu sein!


16. Juli 2025​
Oh Mann, gerade schwingt schon sehr viel Wehmut mit, dass es morgen wieder nach Deutschland geht.
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Wir haben sehr bewegende Wochen in der Arche verbracht und jetzt Zuletzt auch noch einige Tage auf Safari. Es gab immer wieder Zeiten, in denen ich mich zurück nach Hause gewünscht habe, jetzt aber, wo das Heimkehren so nah ist, scheint es ähnlich viel Mut zu kosten wie das Aufbrechen hier in diese andere Welt.
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Die Unsicherheit der ersten Tage wurde von einer großen Erleichterung abgelöst, wie gut die Kinder und ich aufgenommen wurden und in den Alltag vor Ort gefunden haben. Daran schloss und schließt sich eine sehr tiefe Dankbarkeit an. Ich bin unheimlich dankbar für die Freundschaft und Verbundenheit, die die Kinder mit Gleichaltrigen gleichermaßen gefunden haben wie ich mit Piet und Pieta. Im vergangenen Herbst hatte sich Piet bei unserem ersten Treffen mit den Worten verabschiedet, dass ich schon jetzt ein Puzzleteil der großen Arche geworden sei. Bei unserem letzten Sonntagsgottesdienst wurden wir von ihm und vielen, vielen Kinderhänden mit sehr bewegenden Worten gesegnet. Die Verbundenheit durch all die gemeinsamen Momente der letzten Wochen macht uns das Herz gerade schon arg schwer, ist aber auch ein sehr großes Geschenk. Ja, wir sind ein Teil der Arche.
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Meine Dankbarkeit bezieht sich aber nicht nur darauf, wie uns die Menschen dort zu einem Teil Ihres Lebens gemacht haben, sondern auch auf die Hilfe, die wir durch Spenden aus Deutschland mitgebracht haben und dadurch erleben dürfen, wie die Schule mit und durch uns nach und nach entsteht.
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Mir geht es aber auch immer mal wieder wie einigen von Euch: Wenn ich sehe, das es den Kindern hier in der Arche gut geht, frage ich mich: Braucht es uns? Wenn ich mir dann aber die kleine Lilien ansehe oder die mit unseren Kindern gleichaltrigen Freunde Nelima oder Thomas, dann halte ich die Luft an. Es gäbe sie heute nicht, wenn die Arche nicht da wäre. Es ist sehr seltsam so viele kleine und größere Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu wissen, dass sie schon als Baby aufgegeben worden sind und auch heute ohne Mutter, Vater oder Familie heranwachsen. Mit vielen Fragen und vielem was emotional aber auch material fehlt. Es sind mutige, wache und trotz allem zuversichtliche Kinder. Ich werde nie den Job machen, den Pieta und Piet tun, aber ich werde auch nicht mehr wegschauen, vergessen oder diese Kinder aufgeben.
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Ich fühle mich mit Pieta und Piet vielleicht so verbunden, weil die beiden keine Wahl hatten. Sie fühlen sich von Gott an der Hand genommen, der Ihnen einen klaren Auftrag gegeben hat. Piet hat nur gelacht, als ich ihm gesagt habe, dass ich zwar sehr bewegende Momente mit meinem Gott habe, aber keinen direkten Auftrag. Wenn ich das hier schreibe, muss selbst ich lächeln. Ich hatte auch keine Wahl. Schon bei unserem ersten Gespräch gab es kein Zurück mehr. Klar, ich habe noch alles hinterfragt und organisiert, aber entschieden war es. Ist es das? Die Gewissheit etwas tun zu müssen und das nicht aus einem Zwang heraus, sondern aus einem tiefen Bedürfnis?
Gott hat mir da etwas sehr Großes geschenkt. Er hat mich erleben lassen, dass ich meine Träume leben kann und muss. Das es keiner zweiten Chance bedarf.
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Ich durfte und darf so viel erleben. Das Wichtigste ist wohl, dass es sehr viele Menschen gibt, die mich auf meinem Weg begleiten. Vielleicht bin ich gerade arg sentimental vor lauter Abschied nehmen von den Menschen hier, aber auch von dieser Erfahrung. Mensch, ich habe es echt durchgezogen! Ich spreche ein irre grottig schlechtes Englisch, aber ich spreche! Ich bin in einer fremden Kultur zurechtgekommen. Nicht nur in der Arche, sondern auch während unserer Kurztrips nach Jinja oder Entebbe. In all den Wochen habe ich nirgends eine alleinreisende Mutter mit Töchtern erlebt – ich hab es gemacht. Ich habe es meinen drei Mädchen hier zugetraut und sie mir. Ich habe sie täglich vor Insekten gerettet und bin den Menschen hier genauso penetrant auf den Senkel gegangen wie in Deutschland, um meine Projekte, wie das Mosaik, fertigstellen zu können. Ich habe aber dennoch auch immer wieder Zeit gefunden, um innezuhalten und zu staunen, wer ich hier und heute bin, wer ich im Leben geworden bin und auch wer ich in Zukunft sein möchte. Ja, ja und da ist sie wieder, die Dankbarkeit: Meine Mutter war mir hier so nah und dadurch ich mir selbst auch.
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Ich bin auf dieser Reise hier, um Euch von der Arche zu erzählen und um Euch um Spenden zu bitten. Aber auch um Euch zu zeigen, es lohnt sich den Weg zu gehen, der einem richtig und wichtig erscheint. Es ist möglich. Kein wenn, kein aber. Es geht auch Schritt für Schritt, ohne so recht zu wissen, wo das Ziel ist, solange es die richtigen Schritte sind. Ich bin auch irgendwann einfach losgelaufen, stolpern, zweifeln, zwei Schritte vor, einer zurück – alles inklusive…
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Was ich Euch sagen will: Es lohnt sich.
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Und klar, jetzt komme ich heim und der Weg, den ich gehe, fühlt sich in vielerlei Hinsicht nach Heimkommen an, aber ein finales Ziel oder ein Ende ist nicht in Sicht. Das ist nicht immer gut auszuhalten für Menschen wie mich, richtig und gut ist es aber trotzdem.
28. September 2025​
Nun sind wir in unserem Alltag wirklich wieder angekommen. Es hat eine ganze Weile gedauert sich hier wieder zurecht zu finden und wer mich kennt, der weiß, dass es für mich immer eine Herausforderung ist im „Jetzt“ zu leben. Tatsächlich aber übe ich das gerade sehr fleißig, schließe viel mehr Dinge ab als ich neu anzettel und halte das mir selbst gegebene Versprechen nach der intensiven Vorbereitung auf Uganda und unsere Zeit in der Arche „kürzer zu treten“.
Erinnert Ihr Euch noch, dass Angela mir sagte, ich könne jetzt doch mal zufrieden mit mir sein? Ich bin es tatsächlich und das fühlt sich ein wenig nach Frieden an.
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Für mich war ganz schön viel Mut genauso wie Hadern mit am Start, ich hätte es aber eben auch nicht ertragen, diesen Traum nicht Wirklichkeit werden zu lassen. Die Sache bzw. das Projekt ist es einfach aber auch wert unterstützt und gelebt zu werden.
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Eine tolle Bestätigung für ihr Engagement haben mit tollen Platzierungen beim youth4peace Friedenspreis Oberhausen übrigens auch unsere Stiftungskinder in der Gruppenwertung und Liv mit ihrem Essay zum Thema Frieden erhalten.
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Wir verändern die Welt mit unserem Engagement ganz sicher nicht, aber eben doch für einige Menschen und das ist ein sehr schönes und warmes Gefühl. Ja und da ist er wieder, der Frieden…
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Ich habe selbst nicht das ganz große Rad gedreht, aber ich hatte das große Glück mit unserem Engagement großartige Spender auf die Arche aufmerksam zu machen und neben der Finanzierung des Schulneubau erfüllt es mich mit großer Dankbarkeit, dass die Helga-Schulz-Zöller Stiftung 30 Patenschaften übernommen hat und die Arche damit langfristig sehr großzügig unterstützt. Das ist einfach großartig und wunderbar!
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Mit dieser tollen Unterstützung im Gepäck werden wir die Arche natürlich weiterhin begleiten. Unsere Veranstaltung Ende August, bei der wir allen Interessierten von der Arche und unserer Reise berichtet haben zählt da genauso dazu wie der Wallfahrts-Sponsoren-Lauf, der zugunsten des Projektes im September bei uns im Theresianum stattgefunden hat.
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Nun hoffen wir mit unserer Neigungsgruppe – die inzwischen dankenswerter Weise Leni und Liv leiten – auch noch unser Mosaikprojekt abschließen zu können und werden damit dann auf ein spannendes Jahr 2026 blicken.
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Was uns erwartet? Wir lassen uns überraschen. Was wir uns wünschen? Na klar, eine Reise in unsere Arche – zu Abi, Nelima, Tessa, Thomas und… und… und…. Und natürlich zu Piet und Pieta. 😊